Transparenzoffensive in der Altersversorgung

Das Thema Altersabsicherung gewinnt angesichts des sinkenden Rentenniveaus und vor dem Hintergrund aktueller Debatten um drohende Altersarmut zunehmend an Bedeutung. Ein Gast beitrag von Petra Raspels, Mitglied des Vorstands bei PricewaterhouseCoopers.

Die Herausforderung. Nach Angaben der Bundesregierung wird das Rentenniveau – also das Sicherungsniveau vor Steuern - bis 2027 spürbar von 49,6 im Jahr 2012 auf 44,4 Prozent sinken. Mit dem Alterseinkünftegesetz führte die damalige Bundesregierung 2001 umfangreiche Fördermaßnahmen durch die private Riester-Rente und den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung ein. Heute liegen Niveau und Verbreitung dieser Fördermaßnahmen trotz substanzieller steuerlicher Anreize und beziehungsweise oder finanzieller Zuschüsse jedoch klar hinter den gesetzten Erwartungen. So entfallen beispielsweise 64 Prozent der gesamten Altersbezüge auf die gesetzliche Rente, neun Prozent stammen aus privater Eigenvorsorge und nur acht Prozent auf betriebliche Versorgungsleistungen, von denen aber erfahrungsgemäß der überwiegende Anteil aus rein arbeitgeberfinanzierten Systemen resultiert.

 

Der PwC-Studie „Missverständnis Betriebliche Altersvorsorge“ von Februar 2016 gemäß nutzen nur rund 31 Prozent der befragten Berechtigten den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung, von denen mindestens 95 Prozent den vollen Anspruch nicht ausschöpfen. Identische Entwicklungen lassen sich im Bereich der privaten Altersabsicherung identifizieren. Die rückläufige Anzahl von Neuabschlüssen, ruhend gestellten Sparverträge und im Durchschnitt zu geringen Sparbeiträgen beweist dies deutlich.

Unweigerlich stellt sich die Frage nach den Ursachen für die mangelnde Bereitschaft der Bürger in Deutschland zur Eigenvorsorge. Denn gerade die frühzeitige Auseinandersetzung mit der eigenen Versorgungssituation stellt eine grundlegende Voraussetzung für ein rechtzeitiges Handeln dar. Erforderlich sind dafür jedoch aussagekräftige, verfügbare Informationen hinsichtlich der notwendigen späteren Alterseinkünfte und der tatsächlich zu erwartenden Leistungen aus den unterschiedlichen Säulen der Alterssicherung.

 

Insofern sieht sich die Altersversorgung in Deutschland nicht nur mit einem Finanzierungs-, sondern auch einem Informations- und Kommunikationsproblem konfrontiert. Die Versorgungsträger und Produktanbieter kommunizieren bei den Werten der Altersversorgung unterschiedliche Informationen über verschiedene Medien zu differierenden Zeitpunkten. Bürger sehen sich bei dieser Thematik mit einer Komplexität konfrontiert, die es ihnen fast unmöglich macht, sich einen Überblick über die eigene Versorgungssituation zu verschaffen.

Die Initiative. Angesichts dieser Problematik sind Maßnahmen erforderlich, die Bürgern eine säulenübergreifende, produktneutrale Informationsbeschaffung hinsichtlich der eigenen Altersversorgungssituation ermöglichen. Im März 2016 veröffentlichte PwC ein Positionspapier zur Transparenzoffensive, das mögliche Ursachen für die sinkende Bereitschaft zur Eigenvorsorge analysiert und die Zweckmäßigkeit einer umfassenden Informationsaggregation der individuellen Ansprüche auf Altersversorgungsleistungen betont. Die Ergebnisse der Analysen wurden der Politik vorgelegt und fanden breiten Zuspruch. Nun soll die Initiative umgesetzt werden. Aktuell erarbeitet eine Projektgruppe ein Modell für die Datenerhebung, -verarbeitung sowie -bereitstellung inklusive der Pilotierung in ausgewählten Unternehmen.

 

Das Ziel. Die Transparenzoffensive unterstützt damit maßgeblich die politische Zielsetzung, die private und betriebliche Altersversorgung zu stärken. Sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene soll der Ausbau der ergänzenden Vorsorge durch die Einrichtung entsprechender Informationssysteme vorangetrieben werden. Jeder Bürger soll selbstbestimmt seine Gesamtversorgung im Alter ermitteln und Handlungsbedarf ableiten können. Möglich werden soll dies über eine „Vorsorge-App“, über die jeder Nutzer kostenfrei Zugriff auf seine gesamte Versorgungssituation erhält. Mithilfe einer anwenderfreundlichen Applikation beschäftigen sich die Bürger deutlich mehr mit dem Thema Altersvorsorge, wie eine aktuelle Mitarbeiterbefragung von PwC zum Thema jüngst bestätigte. Ziel ist es, mehr Transparenz in der Altersversorgung zu schaffen  ̶̶  für jeden zugänglich, kostenfrei, sicher, unabhängig und leicht verständlich.

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