Rente zukunftsfest machen

Die neu entflammte Debatte um Altersarmut und niedrige Renten hat die Menschen verunsichert. Davor, alle Reformen zurückzudrehen,
die die Rente zukunftsfest machen, kann nur gewarnt werden. Vielmehr sollte die Politik für das Drei-Säulen-Modell werben und stärkere Anreize für die private und betriebliche Altersvorsorge setzen. Ein Gastbeitrag von Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment.

Ein gutes Jahr vor der Bundestagswahl ist die Altersvorsorge in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt. Das Gespenst der „Altersarmut“ geht um. Die damit verbundene Debatte hat die Menschen nachhaltig verunsichert. Besonders die Gewerkschaften werfen der Politik - teilweise auf populistische Art und Weise - Versagen vor und drängen darauf, die Reformen des letzten Jahrzehnts rückgängig zu machen. Vor allem soll das Rentenniveau der gesetzlichen Rentenversicherung erhöht werden. Vor einem solchen Vorhaben kann nur gewarnt werden. Denn es würde die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft belasten und ginge zu Lasten aller aktiven Beitragszahler und kommender Rentengenerationen. Der Rentenexperte Franz Ruland stellte jüngst im Handelsblatt dazu folgende Rechnung auf: Bliebe es bei den geltenden Regelungen, würde das Rentenniveau bis zum Jahr 2060 auf 42 bis 41 Prozent sinken. Der Rentenbeitrag würde wegen des starken Anstiegs der Rentnerzahlen von 18,7 auf 25 bis 27 Prozent steigen müssen. Die Belastungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden somit dramatisch zunehmen.

 

Um dies zu vermeiden, ist es notwendig, das bestehende System aus der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente und den kapitalgedeckten Säulen der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge zu erhalten und weiter auszubauen. Nur so kann den Herausforderungen der demografischen Entwicklung begegnet und damit mehr Stabilität geschaffen werden.Gleichwohl bedeutet die Fortführung des Drei-Säulen-Modells nicht, alles beim Alten zu lassen. Es kommt vielmehr darauf an, an den richtigen Stellschrauben zu drehen. Nur so kann Deutschland die Herausforderungen der Zukunft meistern. Denn neben der demografischen Entwicklung stellt auch das Niedrigzinsumfeld die klassische Altersvorsorge von Millionen Deutschen vor eine massive Herausforderung. Wir müssen daher das gesamte System robuster und zukunftsfähiger machen. Die Politik muss den Menschen einen verlässlichen Rahmen für die Rente aufzeigen und anbieten. Der zielführendste Weg ist dabei, eine behutsame Reform der gesetzlichen Rente bei gleichzeitiger Weiterentwicklung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge. Nur so kann das Vertrauen der Bürger in die Rente erhalten und der Angst vor drohender Altersarmut wirksam entgegengetreten werden.

 

Um beispielsweise die Attraktivität der Riester-Rente weiter zu erhöhen, sollten unter anderem die ausgezahlten Leistungen künftig nicht mehr auf die Grundsicherung angerechnet werden. Außerdem wäre es sinnvoll, die Fördergrenzen und Zulagenhöhen zu dynamisieren und den Berechtigtenkreis auszubauen. Im Übrigen könnte man dem Beispiel anderer Länder folgen und die ungeförderte private Vorsorge mit steuerlichen Anreizen attraktiver machen. All dies würde dazu beitragen, dass mehr Menschen privat sparen und so ihre Altersvorsorge verbreitern.Grundsätzlich gilt: Wir müssen die Bereitschaft zur privaten Vorsorge stärken. Jedes politische Signal in dieser Richtung ist wichtig. Alle Vorschläge, die auf eine Abschaffung des bewährten Drei-Säulen-Systems zielen, führen dagegen zu weiterer massiver Verunsicherung. Politik und Wirtschaft haben hier eine Verantwortung: Wir dürfen das Vertrauen in die Rente nicht zerstören. Wir müssen sie vielmehr zukunftsfest machen.

 

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