Mehr Ludwig Erhard, weniger Karl Marx

Es geht hier doch nur oberflächlich um Straßennamen. Im Kern ist eine Debatte um die grundsätzliche Ausrichtung unseres Landes nötig und welche Vorbilder für unsere Zukunft taugen. Ein Standpunkt von Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V.

Wenn man in der BILD und im „Neuen Deutschland“ gleichzeitig zitiert wird, muss man in ein schönes Wespennetz gestochen haben. Bei diesem Thema habe ich es liebend gerne getan. Denn wir brauchen in Deutschland mehr Ludwig Erhard statt Karl Marx – nicht nur im Straßenbild der neuen Bundesländer. Mitte August haben wir dieses Thema bewusst gesetzt, in zeitlicher Nähe zum 55. Jahrestag des Mauerbaus am 13. August 1961.

 

Rund 800mal sind Marx und sein Finanzier Friedrich Engels bis heute Namensgeber von Straßen und Plätzen zwischen Rügen und Erzgebirge. Oft sind es im Gegensatz etwa zur Marx-Allee in Köln auch bis heute Hauptstraßen und -plätze. Übrigens in Brandenburg mehr als in Sachsen und Thüringen. Über ein Vierteljahrhundert nach dem politischen und wirtschaftlichen Bankrott der DDR wird es langsam Zeit, positive Bezüge der Geschichte aufzunehmen.

 

Mir fehlt das Verständnis, dass in manchen Orten heute noch viele Straßen nach Karl Marx und Friedrich Engels und anderen kommunistischen Ersatzheiligen benannt sind. Das alte und neue Zentralorgan „Neues Deutschland“ unterstellte in typischer linksextremer Manier gleich, ich wollte auch Rosa Luxemburg, die rechtsextremen Mordbanden nach dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fiel, aus dem Straßenbild tilgen. Mitnichten. Wer mal ihre Aussagen über die Freiheit gelesen hat, sieht die Verlogenheit der Aneignung ihrer Person durch den Unrechtsstaat DDR. Hätte Rosa Luxemburg die Säuberungen unter Lenin und Stalin überleben können, ohne ihren Texten abzuschwören?

 

Auch Sozialdemokraten wie der Erfurter Oberbürgermeister und Architekt der rot-rot-grünen Landesregierung in Thüringen, Andreas Bausewein, identifizieren sich mit dem „bedeutenden deutschen Philosophen“ Marx und zeigen so ihr Geschichtsbild. Da fragt man sich, ob Herr Bausewein zu DDR-Zeiten zu viel „Rotlicht-Bestrahlung“ abbekommen hat. So wurden die laufend wiederholten Pflichtstunden von normalen DDR-Bürgern genannt, in denen die sogenannten „Klassiker“ des Marxismus-Leninismus – für die meisten DDR-Bürger zum Erbrechen – durchgekaut werden mussten. So zeigt manches noch heute Fernwirkung.

Nachdem sich mit der Deutschen Einheit endlich echte Freiheit – und nicht nur die marxistisch-leninistisch umgedeutete Freiheit des Proletariats unter der Führung ihrer Partei der Arbeiter und Bauern – in ganz Deutschland durchgesetzt hat, müsste sich das endlich breiter im öffentlichen Raum widerspiegeln.

 

Die erlangte Freiheit und mit ihr das deutsche Erfolgsmodell Soziale Marktwirtschaft haben für Wohlstand und die versprochenen wirtschaftlich „blühenden Landschaften“ gesorgt. Deshalb müssten 26 Jahre nach der Wiedervereinigung auch nach Ludwig Erhard Straßen und Plätze benannt werden. Im Gegensatz zu ihm haben Marx und Engels mit ihrer Ideologie die Grundlage für wenig Gutes bewirkt. Gerade die marode Endzeit der DDR und ihr völliger Bankrott ist dafür ein Beleg. Wer es nicht glauben will, kann einfach den „Schürer-Bericht“ des letzten Chefs der DDR-Plankommission an das SED-Politikbüro unter der Führung von Egon Krenz aus dem Oktober 1989 im Internet aufrufen und die schonungslose Analyse einer Staatspleite durchlesen. Geschrieben von einem überzeugten SED-Mitglied wohlgemerkt.

 

Ich schaue aber beileibe nicht nur durch eine ökonomische Brille auf dieses Thema. Denn das Ungleichgewicht zeigt sich auch an anderen Stellen: Wie viele Straßen sind etwa nach den rund 1.000 Toten von Mauer, Stacheldraht und Minen an der innerdeutschen Grenze, nach Opfern vom 17. Juni 1953 oder nach Bürgerrechtlern benannt? Eine Straße in Berlin wird jetzt der mutigen Bärbel Bohley gewidmet, die 2010 verstorben ist. Keine besonders prominente Straße, aber immerhin in einem Neubaugebiet an der ehemaligen Berliner Mauer. Zeit wird’s, gerade auch im Vergleich zu 800 Straßen und Plätzen für Marx und Engels. Es geht hier doch nur oberflächlich um Straßennamen. Im Kern ist eine Debatte um die grundsätzliche Ausrichtung unseres Landes nötig und welche Vorbilder für unsere Zukunft taugen.

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