Kleine und mittlere Firmen werden profitieren

Viele Mittelständler gehen zur Digitalisierung am liebsten auf Abstand. Aber die Veränderungen werden kommen, ob wir sie mitgestalten oder nicht.

Die Plattformökonomie prosperiert. Vor wenigen Jahren kannten wir diese Plattformen nicht. Ging man früher ins Reisebüro, bucht man heute über booking.com. Die Provision bekommt das Unternehmen in den USA. Alle großen Plattform-Unternehmen wie Amazon oder Ebay sitzen dort, genauso wie die Social-Media-Unternehmen Facebook oder Youtube. Die Branche ist eine große Wachstumsbranche. Sie führt dazu, dass die Karten weltweit neu gemischt werden. Es wird nicht weniger Arbeitsplätze geben, aber es werden zehntausende Stellen wegfallen in Branchen, die Produktivitätsgewinne durch die Digitalisierung realisieren. Gleichzeitig entstehen genauso viele neue Arbeitsplätze. Aber was nutzt uns das, wenn sie in Europa wegfallen und in USA oder China neu entstehen?

 

Deutschland braucht deshalb junge Menschen, die das verstehen und die die Digitalisierung vorantreiben. Berlin hat einen international führenden Rang erreicht für Start ups. Zugleich muss die Politik Rahmenbedingungen schaffen, damit es sich lohnt in Deutschland ein Start up zu gründen und in IT-Technologien zu investieren. Dazu haben wir eine neue Regelung zu Verlusten beim Wagniskapital beschlossen. Zudem halten wir über die KfW Risikokapital für Start ups bereit. Und die Politik muss rechtliche Rahmenbedingungen klären. Das automatisierte Fahren wird kommen. In China etwa steht man im Schnitt 30 Tage im Jahr im Stau. Was hieße das für das Wirtschaftswachstum, wenn man in dieser Zeit arbeiten oder schlafen könnte?

 

Das Elektroauto hat keine Zukunft, hat die Autoindustrie noch vor wenigen Jahren gesagt. Jetzt baut Tesla eine Gigafactory, in der Autos und Batterien hergestellt werden. Die deutschen Automobilhersteller sind wach geworden. Deshalb haben wir eine Kaufprämie beschlossen. Aber wenn es so weitergeht, werden wir unsere Ziele zum Ende des Jahrhunderts erreicht haben. Das ist nicht das, was wir leisten müssen. Wenn das Auto der Zukunft elektrisch und automatisch fährt, ist das wertvollste im Auto der Computer und die Batterie. Motoren werden nicht mehr gebraucht.

 

Ebenso verändert der 3D-Drucker die Produktion. Sein Vorteil: Es braucht keine langen Entwicklungszeiten mehr. Ich bin überzeugt, es werden nicht die großen Firmen sein, die von der Digitalisierung profitieren, sondern die kleinen und mittleren.

 

Das Beispiel Estland zeigt, welche Chancen in der Digitalisierung liegen. Allein die Einführung der elektronischen Signatur hat zwei Prozent Wachstum generiert, weil die Menschen nicht mehr persönlich unterschreiben müssen.

 

(Auszug aus der Rede auf dem Hauptstadtfrühstück des Wirtschaftsrates am 13. September 2016)

 

Peter Altmaier MdB

Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben

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