Heute die richtigen politischen Weichen stellen

Dr. Christian von Boetticherist neuer Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates in Schleswig-Holstein. Der Geschäftsführer des Haferflocken-Taditionsunternehmens Peter Kölln in Elmshorn hat sich fest vorgenommen, der Politik konkrete Empfehlungen für einen attraktiven Wirtschaftsstandort an die Hand zu geben. Dabei setzt er auf eine konsequente Ordnungspolitik, die auf individueller Freiheit, Leistungsgerechtigkeit und Zukunftsinvestitionen basiert.

 
Die mittelständische Wirtschaft muss sich im industrieschwachen Schleswig-Holstein wieder mehr auf die Politik verlassen können, ist Dr. Christian von Boetticher überzeugt. Der Geschäftsführer des Haferflocken-Traditionsunternehmens Peter Kölln, früher Parteivorsitzender der CDU und Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, steht seit wenigen Wochen an der Spitze des norddeutschen Landesverbands. „Zu oft wird die unternehmerische Freiheit durch bürokratische Gesetzesvorhaben eingeschränkt und es entsteht eine Mehrbelastung für die Betriebe, die uns im Wettbewerb schwächt und Arbeitsplätze kostet“, kritisiert von Boetticher.

Ganz oben auf seiner politischen Agenda steht nach der Einführung der Schuldenbremse auf Landesebene vor allem die Sanierung des Haushalts. „In einem hochverschuldeten Land wie Schleswig-Holstein erdrücken die Schulden zukünftige Generationen. Daher benötigen wir auch in guten Wirtschaftsjahren einen soliden Sparkurs gepaart mit zukunftsrelevanten Investitionen, etwa in verkehrliche und digitale Infrastruktur sowie in Bildung. Diesen Grundsatz einer seriösen Haushaltspolitik hat die neue Landesregierung leider aufgegeben", bedauert der neue Landesvorsitzende. Das derzeit niedrige Zinsniveau täusche nur über diese Notwendigkeit hinweg. Die Mehreinnahmen würden schon wieder konsumtiv und ziellos ausgegeben und der Personalapparat aufgebläht. Auch die ausgabenorientierten Konzepte der Union seien hier dringend zu überarbeiten.

 

Für den 45-Jährigen ist seine neue Aufgabe eine echte Herzensangelegenheit. „Der Wirtschaftsrat hat die Möglichkeit, ein konstruktiver Sparringspartner für die Politik zu sein und ihr konkrete Empfehlungen für einen attraktiven Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein an die Hand zu geben. Nur mit weitreichenden und mutigen Maßnahmen können wir die Zukunft deutscher Unternehmen im internationalen Wettbewerb sichern.“

 

Christian von Boetticher weiß, wovon er spricht – der promovierte Jurist kennt sowohl die politische als auch die unternehmerische Perspektive. Bevor er vor gut einem Jahr zum Geschäftsführer des Elmshorner Familienunternehmens Peter Kölln berufen wurde, war er von 1999 bis 2004 Abgeordneter des Europäischen Parlaments, von 2005 bis 2009 Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, von 2009 bis 2011 Fraktionsvorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und von 2010 bis 2011 auch Parteivorsitzender der CDU Schleswig-Holstein. Zuletzt arbeitete er einige Jahre in einer Norddeutschen Sozietät von Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern in der Hamburger Innenstadt, zuletzt als Partner.

 

Auf die Landtagswahl in Schleswig-Holstein im Februar 2017 blickt Christian von Boetticher nicht besorgt, sondern mit Tatendrang: „Der Wirtschaftsrat war und ist ein einflussreiches Sprachrohr der mittelständischen Wirtschaft gegenüber allen Parteien. Wenn die CDU ihr Wahlprogramm verabschiedet, werden wir uns intensiv an der Debatte beteiligen. Wer, wenn nicht wir Unternehmer, können der Politik vor Augen führen, welche Weichen sie stellen muss, damit der Wohlstand für alle erhalten bleibt?“, fragt der neue Landesvorsitzende.

 

Im norddeutschen Landesverband brennen einige Themen unter den Nägeln – dessen ist sich von Boetticher bewusst. „Schleswig-Holstein hat eine marode Infrastruktur – zusätzlich fehlen immer noch eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung und die westliche Elbquerung. Und obwohl wir beim Ausbau der digitalen Infrastruktur im Ländervergleich recht gut dastehen, gibt es auch hier noch viel zu tun“, so der Geschäftsführer. „In der Bildungspolitik steht ideologisch der Weg zur Einheitsschule auf dem Programm der Regierung, während das Fehlstunden-Portal des Wirtschaftsrates gleichzeitig eine historisch hohe Anzahl von nicht gegebenem Unterricht aufweist. Das Bildungsniveau sinkt und Ausbildungsplätze werden immer häufiger von Abiturienten belegt, für die sich früher Haupt- und Realschüler qualifiziert haben.“

 

Eine große politische Herausforderung im Norden bleibe auch der Ausbau der Windenergie. „Die Trassenanbindung an den Süden ist für ganz Deutschland von größter Bedeutung, wird aber voraussichtlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Schleswig-Holstein benötigt daher dringend eine Strategie zur Nutzung des Überschussstromes, der bisher produziert und entgolten, aber nicht abgenommen werden kann. Dies kann durch eine stärkere Sektorenkoppelung geschehen, also zur Wärme- oder Kältegewinnung, oder durch innovative Konzepte für Mobilität oder Speicherung. Hier ist eine Strategieentwicklung gemeinsam mit innovativen Start-Ups, mittelständischen Energieproduzenten und der Landespolitik von Nöten“, fordert der Landesvorsitzende.

 

Dr. Christian von Boetticher ist Optimist. Er sieht im Spannungsfeld schwieriger politischer Rahmenbedingungen immer eher die Chancen als die Gefahren: Um Zukunftsinvestitionen zu mobilisieren, benötige Deutschland eine Politik, die auf Investitionen, Leistung und Eigenverantwortung setzt statt auf Umverteilung und steigende konsumtive Sozialleistungen. „Wir benötigen einen flexiblen Arbeitsmarkt 4.0 anstatt starrer Lösungen. Nur wenn es uns gelingt, in diesen Bereichen heute die politischen Weichen richtig zu stellen, wird das deutsche Wirtschaftsmodell mit einem starken Mittelstand auch künftig noch für Pioniergeist, Wachstum und Wohlstand stehen!“

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