Die junge Generation ist dreifacher Verlierer der Pandemie

Tilman Kuban ©Junge Union

TREND sprach mit dem Vorsitzenden der Jungen Union, Tilman Kuban, darüber, was die Corona-Pandemie für die junge Generation bedeutet, und welche Themen für junge Menschen bei der Bundestagswahl die entscheidenden sind. Das Interview führte Frederike Holewik.

Herr Kuban, die Junge Union hatte sich bei der Wahl für den CDU-Vorsitz für Friedrich Merz ausgesprochen. Gewonnen hat dann Armin Laschet. Was erwarten Sie von Armin Laschet?

Friedrich Merz hat die Mitgliederumfrage der Jungen Union überzeugend gewonnen und lag in allen Landesverbänden auf Platz 1. Daher habe ich ihn auf dem Bundesparteitag unterstützt und gewählt. Sein Ergebnis zeigt auch, wie stark die wirtschaftsliberal-konservative Idee in der Partei verwurzelt ist. Daher erwarte ich von Armin Laschet, dass er auch die Anhänger dieses Parteiflügels einbindet. Das schaffen wir vor allem mit einer neuen inhaltlichen Aufstellung und einem neuen Team.


Einmal weg von Corona, welche Themenschwerpunkte will die Junge Union in diesem Bundestagswahljahr setzen?

Wir haben in der Pandemie bewiesen, dass wir die digitalste und innovativste Jugendorganisation Europas sind. Daher werden wir jetzt den Programmprozess der Union prägen und haben schon erste Ideen mit unseren Mitgliedern beim digitalen Debattencamp gesammelt. Soll unser Regierungsprogramm von CDU und CSU eine Zukunftsagenda für Deutschland und Europa werden, müssen wir die Fragen beantworten, wie die Aufstiegsgeschichte unserer Generation aussieht. Wie schaffen wir eine bezahlbare Energiewende für mehr Klimaschutz, die zum Export- schlager für die Welt wird? Was wird unser wirtschaftliches Erfolgsmodell in Zeiten der Internetgiganten sein? Wir wollen in diese Bundestagswahl mit einem klaren Kompass gehen. Mit einer Idee, wo CDU und CSU dieses Deutschland und dieses Europa hinführen wollen. Mit einem modernen Konservatismus für die 20er Jahre.

Viele Menschen – gerade auch junge Menschen in Studium und Ausbildung – fühlen sich in der Corona-Krise von der Politik im Stich gelassen. Auch viele Unternehmer sind enttäuscht, die Auszahlung der Coronahilfen verläuft immer noch schleppend und auch bei den Impfungen hakt es. Woran scheitert das Krisenmanagement der Bundesregierung?

Die junge Generation ist der dreifache Verlierer der Pandemie. Wir haben schlechtere Startchancen in der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt, werden eine erhebliche Schuldenlast zu tragen haben und – auch wenn es angesichts der Pandemie banal klingt – man kann manche Freiheiten, etwa die Welt zu erkunden oder seinen Partner kennenzulernen, nur in jungen Jahren so ausleben. Aus meiner Sicht braucht es dringend einen Jugendgipfel im Kanzleramt mit den wesentlichen Ministerien und Jugendorganisationen. Denn es ist Zeit, dass auch unsere Generation ihren Platz in der politischen Debatte findet.

Die Grünen gewinnen aktuell besonders unter jungen Menschen an Zuspruch. Wie kann die Union für junge Leute attraktiver werden und wo sehen Sie den Markenkern?

Unsere Generation ist so politisch wie selten zuvor und die Union hat es verpasst klare Antworten zu geben. Wir können die Jugend erreichen, wenn wir wieder einen klareren Fokus auf Bildung, Digitales und Europa legen. Aber hier liegt einiges im Argen in den letzten Jahren. Wir sind nicht so vorangekommen, wie wir uns das als Jugend gewünscht hätten. Auch im Bereich des Klimaschutzes müssen wir aufzeigen, dass wir nicht über die Frage des ‚Ob‘, sondern über die Frage des ‚Wie‘ streiten. Denn wir sind uns einig, dass wir mehr tun müssen. Unsere Generation ist mit dem Smartphone groß geworden, will es zweimal am Tag laden. Wir wollen in die warme Wohnung kommen und Netflix schauen und wir wollen in der Schulzeit oder spätestens danach in die Welt reisen und diese erkunden. Während die Grünen alles verbieten und einschränken wollen, sind wir diejenigen, die mit einer Innovationsagenda den Strom und Wärme zukünftig erneuerbar erzeugen und das erste CO2-freie Flugzeug aus Deutschland abheben sehen wollen.

Im letzten Jahr wurde verstärkt deutlich, wie sehr Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Wo muss als Erstes angesetzt werden, um unser Land zu einem zukunftsfähigen Standort für Start-ups und Industrie zu machen und wie kann es gelingen die Verwaltung zügig zu modernisieren?

Wenn die Gesundheitsämter noch mit dem Fax kommunizieren oder Schulserver ständig kollabieren, dann frage ich mich, ob bei uns die Zeit stehen geblieben ist. Deutschland mangelt es an Entschlossenheit bei der Digitalisierung. Ich bin daher der Meinung: Es braucht dringend ein eigenständiges Digitalministerium, das den Wandel gestaltet und neue Impulse gibt. Das Ministerium soll dabei Vorreiter für eine moderne Verwaltung sein. Hier braucht es keine traditionellen Behördenstrukturen, sondern viel mehr agiles Arbeiten und projektbezogene Teams, statt Abteilungen und Zuständigkeitsfragen. Es muss quasi das Start-Up unter den Behörden sein und innovative Trends suchen, analysieren und auf mögliche Einsätze prüfen.

 

Welche Themen sind für die junge Generation die wichtigsten, die eine neue Bundesregierung unbedingt aufgreifen muss?

Wir müssen die Investitionen konzentrieren in den Bereichen Bildung, Innovationen und Digitales, um das Aufstiegsversprechen Deutschlands, dass es der nächsten Generation besser gehen soll als der jetzigen, wieder wahr zu machen. Mir ist es wichtig, dass wir nicht alte Forderungen aus der Kiste holen und entstauben, sondern die Dinge neu und innovativ denken. Das gilt für das Pandemiemanagement, wie auch für die Zukunftsagenda der Union.

 

Wie kann die CDU für stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen?

Die Pandemie hat doch gezeigt, dass wir einen neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt in unserem Land haben. Dabei ist der Großteil meiner Generation sehr verantwortungsbewusst in dieser Zeit. Wir gehen für Ältere einkaufen, helfen in den Impf- und Testzentren oder bleiben einfach zu Hause, um uns alle zu schützen. Gesellschaftlich ist vieles beschleunigt worden und wir sollten zusehen, dass wir diesen Zusammenhalt auch in die Zeit nach Corona bringen.

 

Mit Blick auf die Bundestagswahl stellt sich auch die Frage nach möglichen Koalitionen. In der Union wünschen sich viele eine Zusammenarbeit mit den Grünen. Wie stehen Sie dazu und warum?

Ich halte nichts davon, dass wir schon vorher über Wunschkoalitionen philosophieren. Bis zum Wahltag kämpfe ich um jede Stimme für CDU und CSU und das mit einer klaren Abgrenzung zu allen anderen Parteien. Denn wir müssen den Menschen schon aufzeigen, dass es einen Unterschied macht, wo man sein Kreuz setzt. Die Grünen haben ein gestörtes Verhältnis zum Rechtsstaat oder der Wissenschaft. Wenn im Dannenröder Forst Polizisten von sogenannten ‚Aktivisten‘ mit Leuchtfeuerwaffen beschossen werden, stehen wir an der Seite der Polizisten mit Familie zu Hause, die Grünen sind da nicht so klar. Beim Klimaschutz verweisen sie berechtigterweise auf die Wissenschaft, bei der Landwirtschaft scheint das alles egal. Ich sage es deutlich: Diejenigen, die meinen, wir müssten mit den Grünen kuscheln, werden schnell merken, wer mit den Grünen ins Bett geht, wacht schnell mit Grün-Rot-Rot auf.

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