Trend-121

49 D ie Automobilindustrie ent- scheidet maßgeblich mit über die Frage, wie stark der Indu- striestandort Deutschland in 20, 30 oder 40 Jahren sein wird. Zuletzt er- wirtschaftete die Automobilindustrie rund 20 Prozent des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie. Gut die Hälf- te unseres Exportüberschusses entfiel auf das Auto.Die Autoindustrie beschäf- tigt gegenwärtig mehr als 700.000 Menschen, das entspricht rund 14 Pro- zent der gesamten Industriebeschäf- tigten. Diese Zahlen bestätigen, wie wichtig die Automobilindustrie für Umsatz und Beschäftigung ist. Die Politik muss deshalb die Rah- menbedingungen so gestalten,dass die Autoindustrie weiter gedeihen kann. Wir wollen keine Sonderregelungen. Wir wollen auch keine europäischen Subventionen.Aber wir benötigen Rah- menbedingungen, von denen am Ende nicht nur die Industrie in Asien und un- sere Standorte in Asien und Amerika profitieren. Unser strategisches Ziel muss es sein, den Automobilstandort Deutschland zu stärken.Daran müssen wir arbeiten. In den vergangenen zehn Jahren ha- ben sich weltweit großeVeränderungen in der Automobilindustrie vollzogen. Obwohl wir in Deutschland die Um- sätze und die Zahl der Beschäftigten ge- steigert haben, ist der Anteil anderer Kontinente an der globalen Automo- bilproduktion deutlich gestiegen. Der Anteil Asiens an der Weltautomobil- produktion liegt mittlerweile bei über 40 Prozent. Und er wird weiter steigen. Heute ist für die deutsche Automobil- industrie nachWesteuropa China bereits der zweitwichtigste Markt. Die deutsche Automobilindustrie hat damit heute – vereinfacht ausge- drückt – zwei Beine.Das eine starke Bein bleibt die Produktion in Deutschland. Das andere, immer stärker werdende Bein ist die Produktion im Ausland.Fast die Hälfte aller deutschen Fahrzeuge wird inzwischen im Ausland produziert. Das zeigt:Die Automobilindustrie konn- te durch die Produktion im Ausland nicht nur Arbeitsplätze in Deutschland halten, sondern auch neue schaffen. Sie ist den Kunden gefolgt, und diesen Weg werden wir mit Sicherheit weiter- gehen. Deshalb wird sich die Struktur der Arbeitsplätze in Deutschland weiter verändern, die Arbeitsplätze werden qualitativ immer anspruchsvoller. Al- lein in den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Akademiker in der Autoindus- trie um das Doppelte gestiegen. Wir haben auch das ehrgeizige Ziel, in Sachen Umwelt und Klimaschutz Weltmarktführer zu sein.Das ist kein lee- res Gerede. In sechs von zehn Segmen- ten hat die deutsche Autoindustrie den CO2-Champion. Wir setzen auf den Wettbewerb der verschiedenen Tech- nologien: Optimierung des Verbren- nungsmotors, Wasserstoff und Brenn- stoffzelle, Elektrifizierung des An- triebsstrangs. Deshalb sind wir froh, dass sich die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag zur Technologieneu- tralität als Grundprinzip für ihre Förde- rung alternativer Antriebe bekannt hat. D eutschland hat sehr gute Chancen,aus dieser schwieri- gen Finanz- und Wirtschafts- krise besser herauszukommen.Es muss uns gelingen, alle Kräfte zusammen- zuführen, um Deutschlands Kernkom- petenzen vor allem in den Bereichen Mobilität, Energie, Umwelt, Biotech- nologie und Telekommunikation zu stärken. Und mehr denn je ist es wich- tig, dass wir die verschiedenen Politik- felder zusammenführen. Für die Energie- und Klimapolitik ist ein Gesamtkonzept entscheidend.Wir dürfen nicht immer nur einzelne Teile zerreden,wir müssen das Gesamtkon- zept abwägen. Nur mit mutiger An- wendung all dessen, was auf den Po- dien und in denVorträgen während des Kompetenzzentrums Deutschland ge- fordert wurde, haben wir die Chance, die Spitzenstellung Deutschlands zu er- halten und unseren Erfolg auf den Weltmärkten auszubauen.Deshalb ist es wichtig, dass wir – Politik und Wirt- schaft insgesamt – uns nicht selber im Weg stehen. Wachstum ist sicherlich nicht alles, aber ohne nachhaltiges Wachstum ist alles nichts. Der Wirtschaftsrat ver- sucht hierzu ganz konkrete Beiträge zu leisten. Wir haben unsere 10-Punkte- Agenda zur Stärkung des Innovations- standorts Deutschland eingebracht und vorgelegt.Wir werden unsere Bil- dungs- und Innovationskampagne fort- führen. Der gemeinsame Erfolg unserer Veranstaltungen und unserer Arbeit wird natürlich getragen durch die Un- terstützung des Ehrenamts und durch die Bundesfachkommissionen. Matthias Wissmann Präsident,Verband der Automobilindustrie Wolfgang Steiger Generalsekretär, Wirtschaftsrat der CDU e.V. ABSCHLUSSREDE SCHLUSSWORT

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