
Volker Kauder MdB Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
Der Standort Deutschland und damit auch der Industriestandort Deutschland steht in den kommenden Jahren vor einer Reihe weitreichender Herausforderungen. Die öffentlichen Haushalte der Bundesrepublik müssen konsolidiert werden. Wir stehen einem zunehmenden Mangel an Facharbeitskräften gegenüber. Wir müssen den Herausforderungen des Klimaschutzes begegnen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie sichern.
Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte darf nicht zu Lasten von Ausgaben für Bildung und Forschung gehen. Denn diese sichern unsere Zukunft. Die Bundesregierung wird die Ausgaben in diesem Bereich deshalb in den kommenden Jahren trotz des Konsolidierungszwangs in den Haushalten weiter aufstocken.
Bei den anstehenden energie- und umweltpolitischen Entscheidungen und Weichenstellungen müssen wachstums- und industriepolitische Gesichtspunkte und Belange unbedingt berücksichtigt werden. Nachhaltige Erfolge beim Klimaschutz sind nicht möglich ohne die weitere Nutzung der Kernkraft und ohne ein international abgestimmtes Vorgehen. Das muss berücksichtigt werden.
Der Weg bis zum Wiedererreichen des Niveaus vor der Wirtschaftskrise wird noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Die Ausgangslage hierfür ist für unser Land mit einer breiten wirtschaftlichen Basis und einer starken exportorientierten Industrie aber vergleichsweise günstig.

Tuomo Hatakka Vorsitzender des Vorstands, Vattenfall Europe AG
Deutschland sollte weiterhin auf marktwirtschaftliche Lösungen vertrauen. Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft – insbesondere die Finanzwirtschaft – müssen so gestaltet werden, dass Kettenreaktionen künftig vermieden werden. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen genügend Raum für Unternehmertum und Investitionsfähigkeit geben. Unser langfristiges Ziel muss eine klimaneutrale Energieversorgung sein, die zugleich wirtschaftlich, zuverlässig und nachhaltig ist.
Die Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaft darf auf keinen Fall in die Deindustrialisierung münden. Deutschland als Industrieland braucht eine zuverlässige, wirtschaftliche und umweltverträgliche Energieversorgung. Sie ist nicht nur Grundlage für wirtschaftlichen Wohlstand und Innovationsfähigkeit – sondern auch für zukunftssichere Arbeitsplätze und damit soziale Stabilität. Die Bausteine einer klimaneutralen und zuverlässigen Energieversorgung sind erneuerbare Energien, ausgebaute und intelligente Netze, Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung Dazu gehört aber auch die klimaneutrale Nutzung von Kohle mithilfe der CCS-Technologie und die Kernenergie.
Die klimaneutrale Energieversorgung der Zukunft ist eine globale Herausforderung. Mittelfristig ist keiner der konventionellen Energieträger vollständig ersetzbar. 64 Prozent der weltweiten Stromerzeugung basieren auf fossilen Energieträgern, 17 Prozent auf der Kernenergie. Wir brauchen auch in Zukunft einen möglichst breiten und robusten Energiemix.
Stärker als bisher müssen wir auch die Effizienz und die Wirksamkeit von Maßnahmen beachten. Nicht Wunschdenken, sondern nüchterne Kosten-Nutzen-Analysen sollten den Ausschlag für den Einsatz von Technologien geben. Energieversorgung heißt: Einsatz von Technik. Dafür brauchen wir die Akzeptanz aller Akteure in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Akzeptanz muss erarbeitet werden – dafür stehen wir bereit.
Podiumsdiskussion
Dr. Eckhard Cordes
Vorsitzender des Vorstands, Metro AG
Bei uns herrscht noch immer eine große Technologieskepsis vor. Das größte Problem aber ist aus meiner Sicht, dass der „Mindset“, also die geistige Haltung vieler Menschen in Deutschland nicht mehr stimmt. Deutschland droht, seine Passion zur Leistung zu verlieren. Das könnte zu einem massiven Problem im globalen Wettbewerb werden.
Dr. Michael Fuchs MdB
Stellv. Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand
Wir brauchen Rahmenbedingungen, die es für Unternehmen attraktiv machen, hierzulande zu forschen, zu entwickeln und zu produzieren. Unsere Standortpolitik muss sowohl die traditionell starken Branchen fördern als auch die jungen, oft „grünen“ Wirtschaftszweige. Wir brauchen zudem eine Energiepolitik, die dem Kostenaspekt der industriellen Produktion und der Versorgungssicherheit wieder stärker Rechnung trägt.
Dr. Klaus Harste
Vorstandsvorsitzender der Saarstahl AG
Die deutsche Stahlbranche hat im globalen Rahmen noch immer einen Technologievorsprung. Wir exportieren sehr hochwertigen Stahl und konzentrieren uns auf die hochwertigen Güten. Der große Vorteil am Standort Deutschland ist, dass wir sehr gute Hochschulen haben und die Stahlindustrie durch eigene Institute gut vernetzt ist. Allerdings müssen wir uns anstrengen, junge Leute auch in Zukunft für die vermeintliche „old economy“ zu begeistern.
Frank Riemensperger
Vorsitzender der Geschäftsführung, Accenture GmbH
Die Weltwirtschaftskrise hat zu einer Konsolidierung der deutschen Industrielandschaft geführt. Es ist gelungen, Fachkräfte in Beschäftigung zu halten. Trotz aller Unkenrufe haben sich viele deutsche Großunternehmen und starke Mittelständler in der Krise behauptet. Deshalb können sie nun mit voller Geschwindigkeit auf den Wachstumszug aufspringen.
Moderation: Daniel Goffart
Ressortleiter Wirtschaft & Politik, Handelsblatt
Deutschland muss sich die Frage stellen, ob es in Gefahr gerät, auf wichtigen Märkten in Lateinamerika oder Asien seine Führungsrolle zu verlieren. Zudem müssen wir uns der Debatte stellen, ob der technologische Umbruch in vielen Bereichen eine Bedrohung für Deutschlands Exporterfolg werden kann.