
Roland Koch MdL Ministerpräsident des Landes Hessen
Staatsverschuldung ist wie eine Seuche. Sie schleicht sich langsam an und hat verheerende bis tödliche Folgen, wenn man sie zu spät bemerkt. Ich glaube, dass wir zum historisch richtigen Zeitpunkt die Schuldenbremse im Grundgesetz eingeführt haben.
Meine Einschätzung ist, dass sie heute keine Mehrheit mehr bekäme. Jetzt entsteht ein Zwang, der in einer demokratischen Gesellschaft dazu führt, dass sich in den nächsten Jahren niemand trauen wird, diese Regel aufzuheben. Und nur das ist der Grund dafür, warum wir jetzt die heftige Diskussion über Sparpakete führen.
Der Maßstab für die Politik in den kommenden Jahren wird sein, dass wir die Schuldenbremse nicht brechen und dass sie niemand aufhebt. Wenn wir diese beiden Dinge hinbekommen, dann ist die Seuche Staatsverschuldung beherrschbar. Der Handlungsspielraum für die deutsche Politik und damit für die kommende Generation wird so signifikant größer als in vielen anderen Länden. Über das Sparpaket der Bundesregierung wird viel debattiert. Ich halte es zunächst aber einmal für wichtig, dass die Bundesregierung dieses Sparprogramm überhaupt beschlossen hat.
Ich bleibe allerdings bei der Auffassung, dass es langfristig nicht reichen wird. Den Bürgern dürfte in den nächsten Jahren unterm Strich eher weniger von ihrem Bruttoeinkommen übrig bleiben. Die Politik wird den Bürgern sagen müssen, dass wir den Weg, immer mehr Teile des zivilgesellschaftlichen Engagements zu verstaatlichen, zurücknehmen müssen.

Prof. Dr. Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank
Die Schuldenbremse kam zum richtigen Zeitpunkt. Es ist aber auch wichtig, dass wir sie richtig anwenden. Der Primärsaldo war zwar in Deutschland immer positiv. Aber er fiel bei weitem hinter das zurück, was wir gebraucht hätten, um eine Umkehr bei der Schuldenstandsquote einzuleiten. Und sie ist letztlich das Maß für Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen.
Zwei Dinge sind zu berücksichtigen. Ich halte ein künftiges Potenzialwachstum in Deutschland von rund einem Prozent für realistisch. Zudem werden die derzeit niedrigen Zinsen langfristig wieder steigen. Das bedeutet zugleich: Die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte ist ohne Alternative.
Die Beschlüsse, die wir in Europa gefasst haben, tragen dazu bei, zu einer stabilen Währung zurückkehren. Das gilt allerdings nur, wenn wir neben der Krisenbekämpfung die Wiederetablierung stabiler Grundlagen in den Vordergrund stellen. Wir können nicht den Krisenmodus perpetuieren. Eine Währungsunion souveräner Staaten kann nur funktionieren, wenn jedes Land eigenverantwortlich stabile Haushalte sicherstellt.
Wir müssen deshalb den Stabilitäts- und Wachstumspakt härten. Wir brauchen automatisierte Sanktionen und wir müssen den Schuldenstand statt der Defizite künftig stärker in den Vordergrund rücken. Ferner sollten wir auch ernsthaft darüber reden, wie wir künftig mit Ländern umgehen wollen, die vorhandene Regelwerke ignorieren.
Podiumsdiskussion
Paul Bauwens-Adenauer
Vizepräsident, DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag e.V.
Die Wirtschaft ist derzeit auf einem enormem Vormarsch. Wir werden vielleicht das Vorkrisenniveau schneller erreichen als wir bisher gedacht hatten. Mit dem Beschluss der Bundesregierung zum Sparpaket ist ein erster wichtiger und richtiger Schritt zur Haushaltskonsolidierung getan.
Prof. Dr. Lars Feld
Lehrstuhl für Finanzwissenschaft, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Konsolidierung der Staatsfinanzen selbst stellt sicher, dass der Staat seine Aufgaben in der Zukunft wahrnehmen kann. Eine wachstumsorientierte Konsolidierung der Staatsfinanzen umfasst die Streichung von Subventionen, insbesondere auch im Bereich der erneuerbaren Energien und der Steuervergünstigungen. Im Sozialbereich sollten strukturelle Reformen sicherstellen, dass hinreichende Anreize zur Arbeitsaufnahme existieren.
Dr. Jürgen Fitschen
Mitglied des Vorstands, Deutsche Bank AG
Man sollte mit einer Bankenabgabe nicht die Wettbewerbsfähigkeit der Finanzwirtschaft nachhaltig schädigen. Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass der Finanzsektor künftig stabiler wird. Wir sind allerdings nicht damit einverstanden, dass eine Abgabe zum Stopfen von Haushaltslöchern benutzt wird.
Steffen Kampeter MdB
Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen
Sparsamkeit ist Grundlage für Wachstum und Wohlstand. Das ist die Botschaft aus der Griechenland-Krise. Die Koalition hat durch ihre Sparbeschlüsse einen Mentalitätswechsel in Deutschland eingeleitet. Wir haben Abschied genommen von der Ideologie, dass man mit viel Geld viel erreichen kann. Deutschland ist mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung international jetzt Vorbild.
Moderation: Roland Tichy
Chefredakteur, WirtschaftsWoche
Die Gefahr ist, dass ein Konsolidierungspaket angekündigt wird und dann im politischen Prozess kleingeredet wird. Jetzt muss das Sparpaket aber tendenziell ehergrößer werden.