Hohe Auszeichnung im Wirtschaftsrat

Hohe Auszeichnung im Wirtschaftsrat: Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold für Robert B. Zoellick

Bundeskanzlerin Angela Merkel war die erste Gratulantin. Kurt Lauk überreichte dem Präsidenten der Weltbankgruppe, Robert B. Zoellick, die „Gedenkmünze Ludwig Erhard in Gold“.

Kurt Lauk: „Ihre Verdienste um die deutsche Einheit wurden mit großem Respekt und verdientermaßen gewürdigt mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1992. Nun kommt die Ludwig-Erhard-Medaille in Gold dazu. Damit haben Sie im Grunde in Deutschland an Auszeichnungen eigentlich fast alles erreicht, was zu erreichen ist.

Ludwig-Erhard-Gedenkmünze in Gold für Robert B. Zoellick

Wir wissen, dass Sie eine besondere Beziehung zu unserem Land haben, u.a. deutsche Vorfahren. Als Sie 2007 Ihr jetziges Amt antraten, titelte DIE WELT: ‘Ein Freund Deutschlands wird Weltbankchef’. Folgerichtig haben Sie Ihre 186 Mitgliedsstaaten auf einen gemeinsamen Kurs eingeschworen mit den Worten: ‘The most important thing is, to have a little Fingerspitzengefühl’. Für uns sind Sie zudem ein ordnungspolitischer Partner erster Güte. Sie haben dies in verschiedenen Positionen in herausragenden Stellungen immer wieder gezeigt und durchgesetzt, in Wirtschaft und Politik stets eindrucksvoll bewiesen.

Ihre politischen Überzeugungen und ordnungspolitische Gradlinigkeit stehen in ganz unmittelbarer Verbindung zu Ihren bemerkenswerten Hobbys. Sie stehen für langen Atem und Standhaftigkeit. Sie sind ein passionierter Marathonläufer. Sie gelten als ausgesprochener Stratege. Ihr Hobby ist der Amerikanische Bürgerkrieg. Sie kennen dort jede Schlacht, jede Truppenbewegung, jeden Ort. Und Sie gelten als Kämpfer für den weltweiten Freihandel. Das dazugehörige Hobby ist offensichtlich, und das hat auch mich überrascht, vogelkundliche Studien in freier Natur.

Gerade Ihr Kampf gegen die Renaissance des Protektionismus verbindet Sie mit dem Wirtschaftsrat. Ihr Einsatz für offene Märkte und freien Handel zieht sich konsequent durch alle Ihre Stationen. Erst kürzlich haben Sie den Protektionismus als das Risiko Nummer 1 für die weltwirtschaftliche Lage gegeißelt.

Sie wissen, wir brauchen eine neue internationale Finanz- und Wirtschaftsordnung. Die Realität des 21. Jahrhunderts muss darin widergespiegelt werden. Sie haben es treffend ausgedrückt: ‘Die ökonomischen und politischen tektonischen Platten verschieben sich.’

Der neue internationale Ordnungsrahmen lässt sich nur mit Entwicklungs- und Schwellenländern neu schaffen und definieren. Gerade die Weltbank hat hier eine besondere Bedeutung. Unter Ihrer Führung hat die Weltbank wegweisende Reformen durchgeführt, eine Kapitalerhöhung von 5,1 Milliarden, um die steigenden Kreditanforderungen in den armen und verschuldeten Ländern zu ermöglichen. Und Sie haben mehr Stimmengewicht für die Schwellenländer gefordert – also Reformen, die die Weltbank fit machen.

Den Kampf gegen die ausufernde Staatsverschuldung haben Sie sich zu Eigen gemacht. Schon im Januar diesen Jahres war Ihre eindringliche Warnung: ‘Die hohen Staatsschulden sind ein globales Problem, auch wenn die Gläubiger zuerst in Europa die Bonität der staatlichen Schuldner neu bewerten.’ Sie sagen, was gesagt werden muss, auch wenn es unbequem ist.

So haben Sie klar beim Namen genannt: Die eine Billion Dollar EU-Rettungsschirm, ist zwar von der Größe her ausreichend. Aber letztlich wurde nur Zeit gekauft. Die Hausaufgaben müssen noch gemacht werden in vielen Ländern. Wir sind erfolgreich dabei.

Sie sind der Inbegriff eines Verantwortungsträgers, wie ihn sich Ludwig Erhard wünscht, leistungs- und erfolgsorientiert, aber gleichzeitig auf Partizipation und sozialen Ausgleich bedacht.“

Dirk Niebel, Bundesminister für Wirtschaftliche Zusammenarbeit: „Die tiefgreifende Gemeinsamkeit der beiden Wirtschaftspolitiker Ludwig Erhard und Robert Zoellick: Beide setzen und setzten sich mit großer Leidenschaft für einen freien Welthandel ein. Wenn man weiß, dass Handelshemmnisse die Entwicklungsländer mehr Geld kosten als alle Geberländer zusammen für Entwicklungshilfe finanzieren, dann weiß man, wie wichtig faire Marktzugangsbedingungen sind. Und deswegen braucht man Verfechter für freien Handel wie Ludwig Erhard und Robert Zoellick.“

Robert B. Zoellick: „Frau Bundeskanzlerin, ich möchte Ihnen für die Unterstützung danken, die Sie und Deutschland der Weltbankgruppe erwiesen haben. Wie einige unter Ihnen vielleicht wissen, eint Bundesminister Schäuble und mich die gemeinsame Arbeit. Unter Kanzler Helmut Kohl waren Sie hauptverantwortlich für die Verhandlung der innenpolitischen Aspekte der Wiedervereinigung, während ich das Privileg hatte, im Namen der Vereinigten Staaten die außenpolitischen Dimensionen der Wiedervereinigung zu verhandeln. Wir hatten eine außergewöhnliche Partnerschaft. Seither ist er ein guter Freund.

Historisch gesehen ist diese Verbindung zu Ludwig Erhard ein großer Augenblick für mich.

Wenn ich an seine Zeit denke, an seine moralische Kraft, seinen Einsatz für dauerhafte Prinzipien, seine Leistungen, dann erkenne ich, dass wir im Schatten seiner Größe stehen.

Denn Dr. Erhard war nicht nur ein ausgezeichneter Politiker. Er legte auch das Fundament für ein Wirtschaftssystem – ein System, das freien Männern und Frauen und einem großartigen Land das Streben nach einem besseren Lebensstandard ermöglichte.

Westdeutschland hat in der Tat ein Wirtschaftswunder vollbracht. Aber das war nicht die Leistung eines einzelnen berühmten Mannes. Es war ein Wunder, das von Millionen von Bürgern in Städten und Dörfern vollbracht wurde, die frei waren, etwas zu erschaffen, zu investieren und „nach Glück zu streben“, wie es in der Unabhängigkeitserklärung meines Landes heißt.

Kurt Lauk ist mir seit vielen Jahren ein guter Freund. Wie viele Ihrer amerikanischen Kollegen bin ich stark beeindruckt von Ihrer außergewöhnlichen Fähigkeit, in der internationalen Sicherheitspolitik wie in der Wirtschaft hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Ihre Wissensbreite und intellektuelle Neugier haben vielen von uns ganz besondere Einsichten beschert – und eine wunderbare Freundschaft. Seit vielen Jahren leisten Sie Ihren Beitrag für Deutschland, Europa und die transatlantischen Beziehungen sowie für Ihre Geschäftspartner in der ganzen Welt. Es ist mir daher ein ganz besonderes und persönliches Vergnügen, dass ich diese Auszeichnung unter Ihrem Vorsitz bekomme.“