
Sven Becker Sprecher der Geschäftsführung Trianel GmbH

Sven Becker Sprecher der Geschäftsführung Trianel GmbH
Überkapazitäten
Mit der im Koalitionsvertrag vorgesehenen Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke ändern sich die Rahmenbedingungen im deutschen Erzeugungsmarkt in erheblichem Maße. Investitionen zur Modernisierung des Kraftwerkparks wurden bisher auf der Grundlage des bestehenden Gesetzes zum Kernenergieausstieg getroffen. Setzt man eine weitgehende Realisierung der im Bau oder in der fortgeschrittenen Planung befindlichen Neuanlagen voraus, führt eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke nun zu Überkapazitäten im Erzeugungsmarkt.
Wettbewerb wird geschwächt
Dieser Effekt wird durch den Ausbau der erneuerbaren Energien verstärkt. Dies hat zur Folge, dass Investitionen in hocheffiziente Anlagen verzögert bzw. verhindert werden. Moderne und insbesondere grundlastfähige Anlagen sind jedoch auch im Hinblick auf die künftig zunehmende fluktuierende Leistung aus regenerativen Energien dringend erforderlich. Da diese Anlagen verstärkt den neuen Marktteilnehmern zuzurechnen sind, schwächt dies den sich gerade erst entwickelnden Wettbewerb im Bereich der Erzeugung.
Nach über zehn Jahren der Liberalisierung teilen die Energiekonzerne den Erzeugungsmarkt auch heute noch weitgehend unter sich auf. Eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke führt in der Stromerzeugung zu einer weiteren Zementierung des wettbewerbshemmenden Oligopols. Auch die Einführung einer Brennelementesteuer ist hier kein Allheilmittel.
Vormachtstellungen werden ausgebaut
Mit den verbleibenden Zusatzgewinnen aus einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke können die Konzerne ihre Vormachtstellung im Erzeugungsbereich weiter ausbauen. Investitionen einer Vielzahl von Marktteilnehmern, die bereit sind, in hocheffiziente Anlagen in Deutschland zu investieren, bleiben dann jedoch aus.
Alte Kohlekraftwerke stilllegen
Im Falle einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke sollte daher eine wettbewerbsorientierte Lösung vorgesehen werden. Eine Option stellt die Stilllegung alter Braun- und Steinkohlekraftwerke der Kernkraftwerksbetreiber da. Der Wettbewerb würde hierdurch substanziell gestärkt. Zudem könnten die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2030 über die durch eine Laufzeitverlängerung erzielten Einsparungen hinaus um über 400 Millionen Tonnen gesenkt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngst von BET erstellte Studie „Auswirkungen einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke auf den Erzeugungsmarkt in Deutschland“.
Effekte kompensieren
Wettbewerb ist der zentrale Motor für die Entwicklung innovativer und CO2-armer Energietechnologien. Bei der Erstellung eines konsistenten Energiekonzepts sollte die Bundesregierung daher Sorge tragen, dass die mit einer Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke verbundenen strukturellen wettbewerbshemmenden Effekte kompensiert werden. Investitionen einer Vielzahl von Marktteilnehmern in hocheffiziente Technologien sind in Deutschland dringend erforderlich, um eine sichere, CO2-arme Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen an unserem Wirtschaftsstandort gewährleisten zu können.
