Pro: Kernenergie baut Brücken

Dr. Joachim Pfeiffer MdB, Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Dr. Joachim Pfeiffer MdB, Wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Die Energiepolitik steht vor vielfältigen Aufgaben. Einer weltweit wachsenden Nachfrage stehen begrenzte fossile Ressourcen und daraus resultierend steigende Energiepreise gegenüber. Hinzu kommen die vom Menschen verursachten Klimafolgen, die politische Instabilität wichtiger erdöl- und erdgasexportierender Länder sowie ein noch ausbaufähiger Wettbewerb auf den Energiemärkten. Die Kernenergie trägt dazu bei, den Verbrauch fossiler Energieträger zu reduzieren. Doch neben ökologischen sprechen auch wirtschaftliche und geopolitische Gründe für eine Laufzeitverlängerung:

Preis

Ohne eine Laufzeitverlängerung werden die Strompreise stärker ansteigen. Der ohnehin steigende Gasanteil an der Stromversorgung würde sich beim Abschalten der Kernkraftwerke von heute rund 14 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 20 bis 23 Prozent fast verdoppeln. Zusätzliche Belastungen in Milliardenhöhe für die Verbraucher wären die Folge. Bei einer Laufzeitverlängerung erwartet das Ökoinstitut hingegen kurzfristig einen preisdämpfenden Effekt von 5 bis 10 € je MWh.

Versorgungssicherheit

Die Kernenergie vermindert die Importabhängigkeit und erhöht die Versorgungssicherheit Deutschlands. Sie leistet einen erheblichen Beitrag zu einer kontinuierlichen, verlässlichen und bezahlbaren Stromversorgung. Ferner steht der Brennstoff Uran noch mindestens 200 Jahre in politisch stabilen Ländern zur Verfügung.

Klimaschutz

Derzeit beträgt der Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung in Deutschland rund 23 Prozent. Die Erneuerbaren werden im Jahr 2020 etwa 30 Prozent zur Stromerzeugung beitragen. Bliebe es bei einem Ausstieg aus der Kernenergie, müssten die rest­lichen rund 70 unseres Strombedarfs durch schadstoffreiche, fossile Energieträger abgedeckt werden. Hinzu kommen die positiven Auswirkungen auf das Klima: Durch die deutschen Kernkraftwerke werden jährlich 150 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Dies entspricht den Emissionen des gesamten deutschen Straßenverkehrs. Mit einer Laufzeitverlängerung bliebe dieses Einsparvolumen erhalten. Kernenergie und Erneuerbare sind zwei Seiten derselben Medaille. Wir brauchen einen breiten Energiemix, der die fossilen Rohstoffe ebenso mit einschließt, wie die Erneuerbaren und die Kernenergie.

Wettbewerb

Die Laufzeitverlängerung kann und muss wettbewerbsneutral ausgestaltet werden und darf den Bau neuer, hocheffizienter Kraftwerke nicht behindern. Eine Möglichkeit könnte z.B. die Versteigerung von Kraftwerksscheiben an Wettbewerber wie Stadtwerke sein. Außerdem stärkt das kerntechnische Knowhow die Innovationskompetenz des Industriestandorts Deutschland.
Diese Fakten zeigen: Wir brauchen die Kernenergie als Brückentechnologie bis die Erneuerbaren den Hauptteil an der Energieversorgung übernehmen können. Im Interesse dieser Brückenfunktion sollte der sich aus der Laufzeitverlängerung ergebende zusätzliche volkswirtschaftliche Nutzen vor allem in die Erforschung von Energieeffizienz- und Speichertechnologien investiert werden.