Warum haben wir keine Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt!?

Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Rückgang des Brutto-Inlandprodukts von fünf Prozent hinnehmen müssen – es war der heftigste Einbruch im Kreis der G7-Staaten. Indes, vom viel befürchteten „worst case“, einem sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit in Richtung der Fünf-Millionen-Marke, konnte und kann keine Rede sein: Die Arbeitslosenzahlen waren im Mai so niedrig wie schon seit fast 20 Jahren nicht mehr. Und der aktuellen Arbeitslosenquote von 7,7 Prozent hierzulande stehen Quoten um die zehn Prozent im europäischen Ausland gegenüber. Kein Wunder also, dass man im Ausland bereits seit längerem mit Respekt vom „German Jobwunder“ spricht.

Lag es wirklich so sehr an der Kurzarbeit? Zu einem ganz erheblichen Anteil sicherlich ja. Noch fast genau vor einem Jahr bezogen eineinhalb Millionen Menschen Kurzarbeitergeld, bis heute dürfte sich ihre Zahl bereits mehr als halbiert haben, Tendenz weiter sinkend. Zudem ist der deutsche Arbeitsmarkt aber auch insgesamt flexibler geworden. Von Arbeitszeitkonten beispielsweise haben die Unternehmen früher kaum Gebrauch gemacht. Erst in den letzten Jahren wurde dieses Instrument häufiger genutzt. Die Arbeitszeitguthaben, die in den Boomjahren auf diesen Konten angesammelt wurden, wurden im vergangenen Jahr in erheblichem Umfang geleert. Und auch in Tarifverhandlungen ging es in den letzten Jahren häufiger als früher um Klauseln zur Beschäftigungssicherung denn um reine Lohnforderungen. Weil Arbeitszeiten dadurch leichter in Einklang mit der Auftragslage gebracht werden konnten, blieben Entlassungen in größerem Umfang aus. Moderate Lohnsteigerungen in Vorkrisenzeiten bzw. tatsächlicher Einkommensverzicht der Arbeitnehmer haben ebenfalls dazu beigetragen, dass die Wirtschaftskrise keine größeren Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen hat – und im Übrigen gleichzeitig auch die Wettbewerbs­fähigkeit der deutschen Wirtschaft im internationalen Vergleich deutlich gestärkt.

Dr. Michael Fuchs MdB, Stellvertretender Vorsitzender der  CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des PKM – Parlamentskreis  Mittelstand

Dr. Michael Fuchs MdB, Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Vorsitzender des PKM – Parlamentskreis Mittelstand

Hinzu kommt ein ganz pragmatisches Eigeninteresse der Arbeitgeber, qualifizierte Mitarbeiter im eigenen Betrieb zu halten. Der demografische Wandel ist für viele Unternehmen heute kein abstraktes Phänomen mehr, sondern konkret spürbar geworden. Spezialisierte und qualifizierte Mitarbeiter werden bereits in vielen Regionen und in vielen Fachrichtungen rarer und auch der Blick auf den Ausbildungsmarkt verheißt für Arbeitgeber vielerorts für die Zukunft wenig Erfreuliches: Mehr und mehr Ausbildungsplätze müssen unbesetzt bleiben, weil es einfach keine Bewerber dafür gibt. Wer in dieser Situation voreilig ausstellt, dem fehlen die Arbeitskräfte nicht nur im Aufschwung, sondern auch langfristig.

Die Lehren aus den vergangenen beiden Jahren sind offensichtlich: Von mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt profitieren alle, und zwar Arbeitgeber und Mitarbeiter gleichermaßen. Dass es dank der Besonnenheit auf allen Seiten gelungen ist, die „Katastrophe auf dem Arbeitsmarkt“ abzuwenden, ist vor allem aber der beste Beleg für eines: Die Soziale Marktwirtschaft ist auch heutzutage unverändert aktuell und funktioniert.